Rechtschreibgespräche

Gemeinsam über die Rechtschreibung nachdenken

Das individuelle Training an den eigenen Schwerpunkten findet sein Pendant im gemeinsamen Nachdenken über die Richtigschreibung einzelner Wörter, später auch einzelner Sätze. Hier profitieren die Schüler von dem Know-How der anderen. Im gemeinsamen Prozess reifen neue Erkenntnisse über die Strukturen der Schriftsprache.

In den Rechtschreibgesprächen geht man am besten von aktuellen Wörtern bzw. Sätzen aus dem Erfahrungsfeld der Schüler und Schülerinnen aus. Die Wörter (oder Sätze) werden von den Kindern selber vorgeschlagen – eines pro Rechtschreibgespräch. Immer ist das korrekt geschriebene Wort Ausgangspunkt der Reflexion.

Leitfragen für Rechtschreibgespräche - Wort des Tages (als Download im Material unten)

  • Was fällt dir an dem Wort auf?
  • An welcher Stelle könntest du beim Schreiben unsicher sein?
  • Warum?
  • Wie kannst du dir weiterhelfen?
  • Wie ist das Wort gebildet?
  • Bei welchen Wörtern könnte das gleiche Problem auftreten?
  • Welche Wörter sind auch so gebildet?
  • Wo findest du das Wort im Wörterbuch?
  • Was fällt dir noch ein?

Ampel-Methode (Download Ampel für Rechtschreibgespräche)

ampelDas Rechtschreibgespräch kann auch durch die Farben der Ampel eine Struktur erfahren. Markiert wird dann Folgendes (vgl. Bildergalerie rechts)

  • Rot: Unsicherheiten
  • Gelb: Wortbausteine (später: Satzbausteine)
  • Grün: Strategien und Regeln, die weiterhelfen

Am Ende des Rechtschreibgesprächs kann der Auftrag stehen, das Wort aufzuschreiben. Viel wichtiger als das Schreiben des Wortes ist jedoch der Ertrag, der sich aus dem Nachdenken über die Schreibweise ergibt. Wer mag, kann das Rechtschreibgespräch für die Hausaufgabe aufgreifen und die Kinder bitten, entweder die Erkenntnis zu formulieren, die sie aus dem Gespräch gezogen haben oder Beispiele (Wörter/Sätze) zu sammeln, in denen dieselben Prinzipien gelten.

Zuweilen entwickeln sich aus „Rechtschreibgesprächen" eher „Nachdenkgespräche", in denen sprachphilosophische oder sprachhistorische Betrachtungen angestellt werden (Beispiel dazu im Buch Teil II B, s.u.)

Rechtschreibgespräche innerhalb der Wortschatzarbeit

Eine andere Form der Rechtschreibgespräche findet im Rahmen der Wortschatzarbeit statt. Wörter zu einem Themenbereich (Beispiel: Nordsee, s. Fotos rechts), zur gelesenen Lektüre etc. werden gesammelt und auf Strukturen hin untersucht: Welche Wörter bergen ähnliche Schwierigkeiten, was hilft weiter im Zweifelsfall, welche Wörter weisen ähnliche Phänomene auf, wie kann man sich die Schreibweise erklären. (s. Leitfragen im Material unten)

Mini-Rechtschreibgespräche im Kontext der Übung von Wörtern mit der Wörterklinik

Wörter, die in der Wörterklinik geübt werden, müssen zuvor auf korrekt Kärtchen geschrieben werden. Nach dem Notieren überdenken die Kinder mit einem Partner die Struktur des Wortes - so wie im gemeinsamen Rechtschreibgespräch. Sie markieren die Wörter dafür gemäß der Ampel-Methode (s. Bildergalerie rechts).

Rechtschreibgespräche in einer kleinen Gruppe mit dem Placemat

Das Gespräch kann auch in der kleinen Gruppe stattfinden. Das Wort oder der Satz wird in die Mitte eines Placemats (s. Download im Material unten auf der Seite) geschrieben. Die Schüler notieren ihre Gedanken zur Schreibweise in dem jeweils vor ihnen liegenden Feld, ergänzen nach dem Weiterdrehen die Ideen der Mitschüler und treten schließlich in den Diskurs über die Schreibweise bzw. die Strukturen der Schriftsprache. Pro Gruppe vertritt ein Schüler die Einsichten in der Klasse.

Leistungsüberprüfung

Die Kompetenzen, die sich in Rechtschreibgesprächen ausbilden, können Sie in Rechtschreibarbeiten überprüfen. Ein Beispiel dazu finden Sie in der Arbeit "Von Hunden und anderen Haustieren", das in dreifacher Differenzierung im Downlaodbereich zu finden ist (s. unten).

Rechtschreibgespräche im 1. Schuljahr

Im Anfangsunterricht werden andere Aspekte in den gemeinsamen Gesprächen berücksichtig. Vergleiche zwischen dem gehörten und dem geschriebenen Wort etwa spielen hier eine größere Rolle. Für Rechtschreibgespräche im 1. Schuljahr wurde deshalb ein eigener Fahrplan entwickelt, der auch noch im 2. Schuljahr verwendet werden kann. Dort finden sich auch Anregungen für Rechtschreibvorträge durch Schüler und Schülerinnen. Einblicke in Rechtschreibgespräche im 1. Schuljahr geben einige kleine Filme.

Rechtschreibgespräche – weitere Anregungen, Fotos, Beispiele in:
Individuelle Lernwege im Schreiben und Rechtschreiben, Teil II B, S. 18 - 27

Material/Download

Tagebuch bzw. Schreibbuch

"Der Schlüssel für das so verstandene „individuelle Lernen“ ist das Schreiben im Tagebuch. Es lässt jedem einzelnen Kind die Freiheit, so viel von sich selbst schreibend und gestaltend zu äußern, wie es möchte."

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