LRS, Legasthenie

Wenn Schreiben, Lesen und Rechtschreiben zur Qual werden

Wenn Kinder nicht so einfach und unbeschwert wie andere Kinder lesen und schreiben lernen, dann prägt diese Erfahrung oft ihr gesamtes Lebensgefühl. Sie sind belastet und fühlen sich unter Druck gesetzt. Die Familien leiden mit, suchen nach Wegen und Unterstützung, die sie oft teuer bezahlen müssen.

Auf diesen Seiten möchte ich Kollegen/-innen und Eltern Anregungen für die schulische und häusliche Förderung geben, zuallererst aber Einblicke in die Empfindungen und Gedanken eines Kindes weitergeben, dessen Lebens- und Schulgeschichte durch „Lese- und Rechtschreib-Schwierigkeiten" (LRS) geprägt ist (s. Text).

Die wichtigste Botschaft dieses Textes lautet für mich, Kinder nicht als „LRS-Kinder" zu marginalisieren, sondern ihre individuelle Persönlichkeit – die ja nicht von ihren Rechtschreibkompetenzen abhängt – wertzuschätzen.

Erlebnisse von Minderwertigkeit und Unfähigkeit werden durch einen für alle gleichen Unterricht genährt. Für manche Kinder beginnen die unangenehmen Gefühle schon nach wenigen Wochen im 1. Schuljahr, wenn sie spüren, dass sie die Erwartungen der Lehrerin oder der Eltern nicht erfüllen können. Sie fühlen sich schlecht, weil sie aus dem, was sich für andere zu Wörtern bildet, vielleicht nur einzelne Buchstaben oder nur Verschwommenes erkennen, oder weil sie beim Schreiben die Buchstaben immer wieder verdrehen, oder weil für sie "o" und "u" gleich klingen. Es sind Momente, in denen der Glaube an die eigenen Fähigkeiten und damit die Freude am Lernen zu schwinden beginnt. Dabei sind es alles Zeichen dafür, dass Kinder unterschiedlich viel Zeit für einzelne Schritte ihrer Entwicklung benötigen. Oder es sind Hinweise auf physiologisch bedingte Ursachen, die es mit Hilfe von Ärzten und anderen Fachkräften zu erkennen und zu therapieren gilt.

Der Unterricht: Von der Normorientierung...

Die Orientierung an einer Norm führt immer dazu, dass Kinder der Norm nicht entsprechen. Machen sie diese Erfahrungen immer wieder, wächst der Zweifel an den eigenen Fähigkeiten und schließlich an der eigenen Person. Selbstzweifel und negative Selbstbilder ersticken jede Lernbereitschaft. So beginnt ein Teufelskreis, der für viele bis zum Ende der Schulzeit zum Verhängnis wird.

...zur Individualisierung des Lernens

Deshalb sind individuelle Wege des Lernens unumgänglich. Das Phänomen „LRS" macht besonders deutlich, wie wichtig es ist, von Anfang an die Voraussetzungen der Einzelnen als Ausgangspunkt des Lernens zu respektieren. Und es macht auch deutlich, wie wichtig es ist, Lernen nicht auf allein auf die Erweiterung kognitiver Fähigkeiten zu reduzieren, sondern das Lernen immer mit Inhalten zu verbinden, die für den Lerner bedeutungsvoll sind. Hier ist der Raum, in dem die Persönlichkeit des Einzelnen gestärkt wird. Und diese ist gerade dann nötig, wenn es zu Schwierigkeiten beim Lernen kommt.

Das Schreiben im Tagebuch versteht sich als ein solcher Raum. Ich konnte immer wieder in meinem Unterricht erleben, dass gerade Kinder mit großen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben sehr viel in ihr Tagebuch geschrieben haben. Sie wussten, dass sie von mir für ihre Texte immer einen wertschätzenden Kommentar erhielten – ganz unabhängig von der Rechtschreibung. Für manche Kinder ist es der einzige Moment im Laufe eines Tages oder sogar einer Woche, an dem sie ein positives Feedback auf ihre Arbeit erhalten. Hier ist es ihnen sicher.

Prävention durch Individualisierung ist eine Frage an das Unterrichtskonzept. Sie richtet sich an die Lehrenden. Anregungen zur Unterstützung des Lernens im Unterricht und zuhause finden Sie hier zu folgenden Bereichen:

Diskussion zum Begriff "LRS", Anregungen zu Unterrichtskonzeption und Fördermaßnahmen in:
Individuelle Lernwege im Schreiben und Rechtschreiben, Band I: Klassen 1 und 2, S. 83 - 93, 206 - 221
Individuelle Lernwege im Schreiben und Rechtschreiben, Band II B: Kalssen 3 bis 6, S. 60 - 65

Individuelles Lernen

"Der Schlüssel für das so verstandene „individuelle Lernen“ ist das Schreiben im Tagebuch."

Nach oben!