Von der Praxis - über die Reflexion - zur Konzeption inklusiven Unterrichts

Die hier vorgestellten Unterrichtsideen haben sich auch in inklusiven Unterrichtssituationen bewährt. Die Schreibzeit als grundlegendes Unterichtssetting ermöglicht das gemeinsame Lernen von Kindern und Jugendlichen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen.

Indem sich individuelle und gemeinsame Lernwege gegenseitig bereichern und in ihrer Durchdringung über das jeweils Eigene hinausweisen, konkretisiert sich, was die UN-Konvention (United Nations 2009) als Zusammenführung von ‚Achievement', verstanden als individuelle Herausforderung, und Partizipation im Sinne von Teilhabe oder sozialer Eingebundenheit formuliert.

In dem soeben erschienenen Artikel „Schreibzeit - Von der Praxis zur Konzeption inklusiven Unterrichts" (Ritter/Hennies (Hg.): Deutschunterricht in der Inklusion, Fillibach/Klett 2014) wird die Schreibzeit unter dem besonderen Fokus des gemeinsamen Lernens von Kindern mit besonderem Förderbedarf und ohne denselben an Unterrichtsbeispielen aus einer 3. Klasse skizziert (Textbeispiele unten) und unter inklusionsdidaktischer Perspektive reflektiert. Welche grundlegend konzeptionellen Überlegungen sich daraus für einen inklusiven Deutschunterricht ableiten lassen, lesen Sie in dem Artikel. Hier ein kleiner Vorgeschmack:

...Der individuellen und gemeinsamen Arbeit innerhalb der Schreibzeit liegt ein Bezugspunkt zugrunde, der die beschriebene Vielfalt, Unterschiedlichkeit und Gemeinsamkeit zueinander in Beziehung setzt. Es ist der gemeinsame Kern, der diese Bereiche verschmelzen lässt. Feuser spricht von der „Kooperation am gemeinsamen Gegenstand" (Feuser 2013), Seitz von dem jeweils individuell relevanten „Kern der Sache" (Seitz 2006), Gallin und Ruf von der "Kernidee" oder vom "Witz der Sache" (Ruf/Gallin 2014). Gemeinsamer Kern, Kernidee oder „universelle Gemeinsamkeit aller Kinder" (Seitz/Scheidt 2012) sind in der Schreibzeit sowohl die Themen des Lebens, die den Texten innewohnen, als auch die gemeinsame sprachliche Arbeit am Ausdruck der Inhalte. Diese Dimension inklusiven Unterrichts akzentuiert sich in der Autorenrunde besonders deutlich: Hier sind die „Momente, die das Lernen der einzelnen Kinder vor aller Verschiedenheit miteinander verbinden können" (Seitz/Scheidt 2012). Hier geht es um die „zu bearbeitende Wirklichkeit" (Feuser 2013), um Fragen von ‚Sinn' und ‚Bedeutung' (vgl. Feuser 1998). Hier steht der Mensch schlechthin im Mittelpunkt des sprachlichen Lernens...

Einige der grundlegenden Überlegungen zur Konzeption inklusiven Deutschunterrichts finden Sie in der Präsentation im Downloadbereich, eine Kurzfassung in dem Paper "3-Ebenen-Modell". Im Materialteil finden Sie außerdem Planungshilfen für den inklusiven Unterricht (einschließlich des Inklusionsdidaktischen Netzes, vgl. Heimlich/Kahlert 2012). Wer sich an einem Beispiel orientieren möchte, findet konkrete Ausführungen (Planungshilfe und Inklusionsdidaktisches Netz) zur Autorenrunde.

Empfehlenswerte Lektüre:

Michael Ritter/Johannes Hennies: Grundfragen einer inklusiven Deutschdidaktik - Ein Problemaufriss (Zeitschrift für Inklusion-online.net)

Leßmann, Beate: "Schreibzeit" - Von der Praxis zur Konzeption inklusiven Unterrichts.
In: Hennies, Johannes/Ritter, Michael (Hg.): Deutschunterricht in der Inklusion. Auf dem Weg zu einer inklusiven Deutschdidaktik, Fillibach/Klett 2014, S. 169 - 182.
Information/Bestellung

In diesem Artikel werden zwei Kindertexte vorgestellt, die in der Autorenrunde mit der ganzen Klasse diskutiert werden. Teile des Gesprächs wurden für den Artikel transkribiert. Hier sind die beiden - noch nicht überarbeiteten - Tagebuchtexte von Joelin und von Moritz:

Material/Download

Rechtschreibung

"Nichts gibt besser Auskunft über die Entwicklungen im rechtschriftlichen Bereich als die eigenen Texte."

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